Jakobsweg

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

E 2009_2

Berichte
 


Montag, 7. September 2009

Eine der eindruckvollsten Etappen des Camino de Santiago war die 70 km lange Strecke von Molinaseca nach O'Cebreiro. Hart, aber von unglaublicher Schönheit. Der Blick wandert über sanft gerundete, dunkelgrüne Bergkuppen und man kann sich kaum satt riechen am würzigen Duft von Ginster, Heidekraut und Lavendel.

 
 
 
 
O'Cebreiro

Ganz anders als die weiträumige Bergwelt des Rabanal präsentierte sich der Monte Cebreiro. Durch enge, sattgrüne Falten schlängelt sich der Rio Valcarcel. Am Alto do Cebreiro öffnet sich der Blick, schweift über Hochtäler endloser Weite. Wir hatten Galicien erreicht. Hier in O'Cebreiro scheint, rein äusserlich betrachtet, die Zeit stehengeblieben zu sein. Die kleinen, roggenstrohgedeckten Bauernhäuser sind in ihrer Bauweise ganz dem rauhen Bergklima angepasst. Dicke, abgerundete Schiefermauern bieten Stürmen wenig Angriffsfläche. In diesem urigen Dörfchen übernachteten wir im "San Giraldo de Aurillac".

 
 


Dienstag, 8. September 2009
Am Morgen trampten wir weiter auf dem den El Poio umsäumenden Weg in die immergrünen Talgründe Galiciens. Ziel war der 78 km entfernte historische Ort Portomarin. Mehrheitlich auf dem Camino.

 
 
 
 

Das dichte Grün Galiciens verleiht der Landschft einen einzigartigen Zauber. Unvermittelt fällt der Weg in ein Flusstal, in dessen Mitte auf einem Podest der noble Bau des Klosters Samos thront. Weiter ging die Fahrt über Sarria und Barbadelo, auch an diesen Orten gibt's viele Klöster und Kirchen zu bestaunen, nach Portomarin.
Portomarín ist ein Ort und ein Municipio am Rande des Jakobsweges in der Provinz Lugo. 1956 begann der Bau der vierzig Kilometer entfernten Staumauer des Belesar-Stausees, dessen Wasser den Ort überfluten würde.

 
 

Portomarín wurde deshalb auf den Terrassen des Monte do Cristo auf dem rechten Ufer des Miño neu errichtet. Das alte Portomarín verschwand unter dem ansteigenden Wasser des Belesar-Stausees und wird nur bei sehr tiefen Pegelständen wieder sichtbar. Abgetragen und im neuen Ort wieder aufgebaut wurden die Kirchen San Nicolás und San Pedro (Portalfront), ein Brückenbogen der mittelalterlichen Brücken (Christinabogen) sowie der Palast des Grafen Maza, 16. Jh., und der der Pimentales auch genannt Berbeteros, 17. Jh., beide im heutigen Ortszentrum stehend.

Portomarin
 
 


Mittwoch, 9. September 2009
Nach dem Frühstück im Hotel Portomarin stand uns die zweitletzte, 63 km lange Etappe nach Arzua bevor. Die ersten 12 km bis Ventas de Naron fuhren wir auf der Strasse, um dem steinigen Camino auszuweichen.

 
 
Kirche von Vilar de Donas

Hinter Portomarin steigt der Weg in die farbenprächtige Heidelandschaft der Sierra Ligonde, um sich dann wieder durch schattige Waldinseln und ursprüngliche Weiler zu schlängeln.
Nach den Weilern Prebisa, Lameiros und Ligonde senkt sich der Weg in die Bachaue des Ligonde. Anschliessend pedalten wir wieder leicht bergauf nach Airexe. Dort machten wir einen Abstecher zur 2,5 km entfernten romanischen Kirche von Vilar de Donas. Zarte Fresken schmücken die Apsis. Von aussergewöhnlicher Schönheit ist auch das Portal mit seinen verzierten Archivolten und Kapitellen sowie der Vorbau.

 
 

Wegen bellenden Hunden zogen wir es vor, nicht den gleichen Weg zurück zu nehmen. Nach kurzer Fahrt auf der Strasse bogen wir beim nächsten Dorf Rosario wieder zum Camino ab. Aber auch hier begleiteten uns zwei bellende (kleine) Hunde ein Stück weit, welche die drehenden Räder zum Angriffsziel hatten.

 
 
 
 
Galizischer Kornspeicher

Wir radelten weiter durch diese ländliche Idylle, vorbei an Eichen- und Eukalyptuswäldern dann wieder auf steilen Schotterwegen. Auf diesem Abschnitt sahen wir auch mehrere auffällige kleine Häuschen, die Galizischen Kornspeicher.

Am frühen Abend erreichten wir Arzua. Hier gab es nicht viel zu sehen, was zur Abwechslung auch einmal recht angenehm war. Erwähnenswert ist sicher die Hotelanlage von Pazo Santa Maria, wo wir unser Appartement bezogen.

 
 
Hotelanlage von Pazo Santa Maria
Pilgerfreunde
 
 

Nach dem gemeinsamen Nachtessen und einem "Schlummertrunk" mit unseren Pilgerfreunden ging wieder ein wunderschöner Tag zu Ende.


Donnerstag, 10. September 2009
Arzua - Santiago - 50 km! Es ist eigenartig. Seit die Grenze Galiciens überschritten war und das Ende der Reise von Kilometer zu Kilometer näher rückte, klammerte die Phantasie sich nur noch an das Ankommen, beinahe achtlos brachte man das letzte Stück hinter sich, so sehr nahm einem die Spannung auf das lang ersehnte Ziel gefangen. Auf diesem letzten Teilstück nach Santiago de Compostela fuhren wir den vielen Fusspilgern zu liebe auf der Strasse bis Villamaior.

 
 
Pilgerdenkmal Monte Gozo

Auf der verkehrsarmen AC-240 ging's zügig voran. Die coupierte Strecke brachte uns aber auch am letzten Tag zum Schwitzen. Bald einmal erreichten wir das berühmte Pilgerdenkmal Monte Gozo. Hier sah man zum ersten Mal nach Santiago. Noch 6 km und der grosse Augenblick ist da. Nach der kurzen Rast genossen wir diese letzten Kilometer. Die Spannung stieg ins Unendliche und schon sahen wir die Ortstafel von Santiago. Noch ein paar Strassen bis zur Altstadt und tatsächlich, Santiago de Compostela übertrifft mit seiner unvergleichlichen Atmosphähre unsere künsten Erwartungen.

 
 

Der Anblick der gigantischen Kathedrale von Santiago de Compostela und die lebhafte Stimmung, die durch die vielen Pilger in dieser Stadt entsteht, entschädigen für alle Strapazen. Nachdem wir die unvergesslichen Eindrücke halbwegs verarbeitet hatten, gingen wir sofort zum Pilgerbüro, um unsere hart verdiente Urkunde abzuholen.

 
 
 
 

Wir reihten uns in der wartenden Schlange ein. Wartezeit ca. 30 Minuten. Dann endlich übergab uns ein freundlicher Mitarbeiter des Büro's die Urkunde gegen Vorweisung des Pilgerpass, den wir auf der Reise mit einer schönen Stempelsammlung füllten.

 
 
 
 

Am Abend feierten wir mit unseren Pilgerfreunden mit einem feinen, verdienten Nachtessen beim Italiener. Herzliche Gratulation an alle Teilnehmer. Schliesslich hatten wir fast 700 km und etwa 10'000 (Zehntausend) Höhenmeter in den Beinen.

Glücklich und zufrieden schliefen wir in unserer letzten Herberge (Hotel Hesperia Gilmerez) ein.

 
 


Freitag, 11. September 2009
Ruhetag - Es war schon ein komisches Gefühl, nach 11 Tagen hintereinander kein fahrender Untersatz am Allerwertesten zu spüren. Der ganze Tag stand uns zur Verfügung, um die wunderschöne Altstadt von Santiago de Compostela anzuschauen.
Am Mittag besuchten wir die Pilgermesse. Eine Stunde vorher bekamen wir noch gute Plätze. Die riesige Kathedrale war proppevoll von Fusspilgern, Radpilgern und vielen Buspilgern. Der Pfarrer trug die Liste der neu eingetroffenen Pilger vor, wegen der unterschiedlichen Aussprache haben wir unsere Namen nicht erkannt.

 
 

Santiago wurde um 830 zum Wallfahrtsort, als man die in einem Grab gefundenen Gebeine dem Apostel Jakobus zuschrieb. In der eindrucksvollen Kathedrale schmückt ein vergoldeter Baldachin den Altar. Ein ständiger Pilgerstrom bildet Schlangen, eine große Sitzfigur des heiligen Jakobus wird als Zeichen der Ehrerbietung umarmt und geküsst. Santiago de Compostela gehörte neben Rom und Jerusalem zu den bedeutendsten Pilgerzielen des christlichen Mittelalters. Das Einzugsgebiet reichte bis Skandinavien und in das östliche Mitteleuropa. Seit dem 15. Jahrhundert sind heilige Jahre belegt, die immer dann stattfinden, wenn der Jakobstag (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Seit dem Heiligen Jahr 1976 erlebt der Jakobsweg eine Renaissance. Jährlich treffen etwa 75.000 Pilger zu Fuß, auf dem Fahrrad, zu Pferd oder als Rollstuhlfahrer in Santiago ein.

 
 

Seit dem frühen 11 Jh. ist die Jakobsmuschel (Pecten maximus) als Pilgerzeichen belegt. 1106 wurde in Italien von Wundern berichtet, die allein durch die Berührung eines solchen Pilgerzeichens stattfanden. Die Muscheln wurden von der Atlantikküste nach Santiago gebracht, üblicherweise mit zwei Löchern versehen und auf dem Markt nördlich der Kathedralentür an die Pilger verkauft. Die Muscheln wurden vorne am Hut getragen und dem Pilger oft mit ins Grab gegeben.

Am späten Abend, bei einer Flasche Sekt, verabschiedeten wir uns von unseren Pilgerfreunden. Wir durften noch 2 Tage länger bleiben, um die nähere Umgebung von Santiago kennen zu lernen.

 
 


Samstag, 12. September 2009
1. Zusatztag - Geht man nach Santiago noch knappe 90 km weiter westwärts, so erreicht man das Meer in Finisterre, dem sogenannten "Ende der Welt".

 
 
 
 

Für viele Jakobspilger gilt das Kap als das eigentliche Ende des Jakobswegs – der Camino a Fisterra endet hier. Die Wanderer setzen ihren Weg von Santiago dorthin fort oder besuchen es nach dem Ende ihrer Wallfahrt mit dem Bus. Wir fuhren mit dem Mietauto dorthin. Die früheren Pilger gingen bis zum Meer um sich hier die "Jakobsmuschel" zu holen. Diese verlieh ihnen später zu Hause oder wenn sie sich auf dem Rückweg am Jakobsweg niederließen, Privilegien.

Ein 140 Meter hoher Felsen mit einem imposanten Leuchtturm sind dort zu finden und lassen in der Ferne im Meer erahnen, wo die Inseln der "Seeligen" sein könnten. Oder vielleicht sogar das versunkene Atlantis im Atlantischen Ozean?


Sonntag, 13. September 2009

2. Zusatztag - An diesem Tag fuhren wir wieder mit dem Mietauto Kreuz und Quer durch West-Galizien, um zum Abschluss noch die herrliche Gegend zu bestaunen.

 
 
 
 
 
 


Montag, 14. September 2009
Abreisetag - Zum letzten mal Koffer packen. Es hiess Abschied nehmen von Santiago und von den gelben Pfeilen und Muscheln die uns während der ganzen Reise in die richtige Richtung lenkten. Somit gingen phantastische, eindrucksvolle Ferien zu Ende. Adios Santiago, adios Camino. Auf Wiedersehen!

 
 
 
 
Counter
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü